Der Aufpicker
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Am Samstagnachmittag nach der Gartenarbeit rings um die Kirche Sankt Johannes Baptist in Bruchhausen war unser
Dorfmeister Friedl Kraft gerade mit seinem Lastenrad auf der Erpeler Ley angekommen, um seine Runde zum
„Müll aufpicken“ in Angriff zu nehmen, da fokussierte sich sein Blick auf den knallpinken Babyschnuller im Split
des Besucherparkplatzes. Gleichzeitig war vom Waldweg her näherkommend das Wehklagen eines Kleinkindes zu
hören, dem die Mutter mit liebevoller Stimme Trost zusprach.
Klar, dass das Kind seinen Schnuller vermisste. Friedl Kraft wartete geduldig, bis die Frau mit dem Kinderbuggy um die Ecke bog. Dann winkte er sie mit dem Schnuller in der Hand heran und freute sich, als das Kind ihm überrascht und erfreut seine Arme entgegenwarf, um mit strahlenden Augen das verlorene Lieblingsteil wieder in Besitz zu nehmen: ohne Zögern in den Mund.
„Oh“, sagte unser Dorfmeister, „der hat im Split gelegen!“
„Ach, da machen Sie sich mal keine Gedanken“, sagte die junge Mutter. „Meine Kleine hat schon den Dreck halb Europas abgeschleckt und alles überlebt.“
Sie lachten vergnügt und verabschiedeten sich mit „Danke“ und „Gerne.“
Als er weiter seine Runde ging und hier und da ein Papierchen aufpickte, fiel ihm die Geschichte ein, die seine Nichte Vera ihm erzählt hatte.
Vera war wohl drei oder vier Jahre alt, sie kam ins Krankenhaus, weil ihr die Mandeln herausgenommen werden mussten. Die Krankenschwester erklärte ihr: Bei der Operation kann der Schnuller nicht im Mund bleiben. Sie versprach ihr aber, ihn sicher da im Schrank zu verwahren und ihr sofort wiederzugeben, wenn sie nach Hause kann. Das beruhigte sie.
Die Operation verlief gut und die Heilung ging rasch voran, vor allem, weil sie mit ihren beiden Geschwistern in den Besuchszeiten zu Karneval immer dieses lustige Humba humba täterä gesungen hatte.
Als Vera schließlich entlassen werden sollte, wollte sie ihren Schnuller wiederhaben. Die Schwester sagte, dass er nicht mehr da ist.
"Mein Schnuller! Ich will meinen Schnuller!", schrie Vera laut und durchdringend in wechselnden Stimmlagen traurig, trotzig, erbost und wütend und wieder niedergeschlagen.
Die Eltern versuchten ihr klarzumachen, dass sie ja nun schon richtig groß geworden war und viel zu groß für einen Schnuller. Vera aber fand sich einfach nicht ab mit dem plötzlich so endgültigen Verlust und bestand weiter beharrlich auf ihrem Schnuller.
Sie versprachen ihr schließlich händeringend, einen neuen Schnuller zu kaufen. Das war zwar nicht derselbe, nicht ihr alter Schnuller, aber immerhin ein Schnuller! Konnte sie sich da notgedrungen drauf einlassen? Sie musste also mitkommen, sich selber einen neuen aussuchen.
Dann aber, als es endlich soweit war, schämte sie sich plötzlich. Sie wollte kein kleines Baby mehr sein. So kam es zum großen, tapferen Schnullerverzicht.
Ganz tief aber in so einer hinteren Ecke ihres Herzens, hatten sie sie hintergangen und um etwas ganz Wichtiges betrogen. Bis weit ins Erwachsenenalter hinein hätte sie es viel schöner gefunden, wenn man so wichtigen Menschen wie den Eltern ganz selbstverständlich hätte vertrauen können.
Klar, dass das Kind seinen Schnuller vermisste. Friedl Kraft wartete geduldig, bis die Frau mit dem Kinderbuggy um die Ecke bog. Dann winkte er sie mit dem Schnuller in der Hand heran und freute sich, als das Kind ihm überrascht und erfreut seine Arme entgegenwarf, um mit strahlenden Augen das verlorene Lieblingsteil wieder in Besitz zu nehmen: ohne Zögern in den Mund.
„Oh“, sagte unser Dorfmeister, „der hat im Split gelegen!“
„Ach, da machen Sie sich mal keine Gedanken“, sagte die junge Mutter. „Meine Kleine hat schon den Dreck halb Europas abgeschleckt und alles überlebt.“
Sie lachten vergnügt und verabschiedeten sich mit „Danke“ und „Gerne.“
Als er weiter seine Runde ging und hier und da ein Papierchen aufpickte, fiel ihm die Geschichte ein, die seine Nichte Vera ihm erzählt hatte.
Vera war wohl drei oder vier Jahre alt, sie kam ins Krankenhaus, weil ihr die Mandeln herausgenommen werden mussten. Die Krankenschwester erklärte ihr: Bei der Operation kann der Schnuller nicht im Mund bleiben. Sie versprach ihr aber, ihn sicher da im Schrank zu verwahren und ihr sofort wiederzugeben, wenn sie nach Hause kann. Das beruhigte sie.
Die Operation verlief gut und die Heilung ging rasch voran, vor allem, weil sie mit ihren beiden Geschwistern in den Besuchszeiten zu Karneval immer dieses lustige Humba humba täterä gesungen hatte.
Als Vera schließlich entlassen werden sollte, wollte sie ihren Schnuller wiederhaben. Die Schwester sagte, dass er nicht mehr da ist.
"Mein Schnuller! Ich will meinen Schnuller!", schrie Vera laut und durchdringend in wechselnden Stimmlagen traurig, trotzig, erbost und wütend und wieder niedergeschlagen.
Die Eltern versuchten ihr klarzumachen, dass sie ja nun schon richtig groß geworden war und viel zu groß für einen Schnuller. Vera aber fand sich einfach nicht ab mit dem plötzlich so endgültigen Verlust und bestand weiter beharrlich auf ihrem Schnuller.
Sie versprachen ihr schließlich händeringend, einen neuen Schnuller zu kaufen. Das war zwar nicht derselbe, nicht ihr alter Schnuller, aber immerhin ein Schnuller! Konnte sie sich da notgedrungen drauf einlassen? Sie musste also mitkommen, sich selber einen neuen aussuchen.
Dann aber, als es endlich soweit war, schämte sie sich plötzlich. Sie wollte kein kleines Baby mehr sein. So kam es zum großen, tapferen Schnullerverzicht.
Ganz tief aber in so einer hinteren Ecke ihres Herzens, hatten sie sie hintergangen und um etwas ganz Wichtiges betrogen. Bis weit ins Erwachsenenalter hinein hätte sie es viel schöner gefunden, wenn man so wichtigen Menschen wie den Eltern ganz selbstverständlich hätte vertrauen können.